Delegation aus Aachen zu Besuch in Indien: „Wirtschaftszug“ nimmt Fahrt auf – Bereits erste Erfolge zu verzeichnen
Region Aachen. Im Anschluss an den Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Indien zur Bekräftigung der strategischen Partnerschaft zwischen Indien und Deutschland sind Anfang Februar Vertreter aus der Region Aachen auf den Subkontinent gereist, um bestehende Kontakte auf politischer, kultureller, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene zu stärken und auszubauen.
„Wir haben auf unserer Reise nicht nur für die Wirtschaftsregion Aachen als Standort für ansiedlungsinteressierte Unternehmen geworben, sondern uns auch einen Überblick über Möglichkeiten eines Markteintritts regionaler Unternehmen in Indien verschafft“, so Dr. Jürgen Linden, Oberbürgermeister der Stadt Aachen, der die Delegation anführte.
Für den Rektor der RWTH Aachen, Professor Dr. Burkhard Rauhut, war die Anbahnung neuer Kooperationen mit indischen Forschungseinrichtungen und die Vertiefung bestehender Verbindungen ein wichtiges Anliegen. „Bisher arbeiten wir im Rahmen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bereits mit dem Indian Institute of Technology (IIT) in Chennai zusammen, von dem ich mir vor Ort ein Bild machen konnte“, sagte Rauhut. Er möchte indischen Studenten und Dozenten die Attraktivität der RWTH vermitteln. Momentan sind rund 200 indische Studierende an der Hochschule eingeschrieben - seit 2001 hat sich diese Zahl mehr als vervierfacht.
Auf dem Besuchsprogramm standen neben einem Treffen mit dem Deutschen Botschafter Bernd Mützelburg und Vertretern der Indischen Industrie- und Handelskammer (FICCI) in Neu Delhi u. a. Unternehmensbesichtigungen in den Städten Gurgaon und Noida, die wichtigsten Satellitenstädte im Industriegürtel um Delhi. Der Generalsekretär der indischen Industrie- und Handelskammer Dr. Amit Mitra bemerkte: „Wir schätzen an den Deutschen und den deutschen Produkten die hohe Qualität, die Zuverlässigkeit und das hohe Know-how. Deshalb ist eine Zusammenarbeit mit deutschen Firmen und Deutschland von herausragendem Interesse für Indien. Zwischen beiden Staaten gibt es viele kulturelle Gemeinsamkeiten, die es zum Vorteil für beide zu nutzen gilt.“
Die Besichtigung des deutschen Unternehmens Giesecke & Devrient India Pvt. Ltd., internationaler Anbieter u.a. von Banknotenpapier, zeigte, dass es sich erfolgreich auf dem indischen Markt positionieren konnte.
Dass Autobauer Indien, insbesondere die Stadt Chennai (vormals Madras), viertgrößte Stadt Indiens und Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu, nun vermehrt entdecken, spiegelt sich in Ansiedlungen, beispielsweise der Firmen Ford, Hyundai, Mitsubishi oder Renault wider. Die Delegation besuchte das erste Montagewerk des BMW-Konzerns, das sich 2006 dort ansiedelte. Hier konnte man sich auf besondere Weise der Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland vergewissern, denn der Leiter der Qualitätskontrolle im BMW-Werk ist ein Inder, der seinen Bachelor in Chennai absolviert hatte und anschließend in Deutschland an der RWTH Aachen sein Diplom gemacht hat.
Die Firma Vestas RRB India Ltd., ursprünglich ein dänisches Unternehmen, was nun in indischer Hand ist, ist führender Hersteller im Bereich Windenergie. Der Besuch vor Ort machte deutlich, dass die Qualität indischer Produkte durchaus europäische Standards erreicht hat.
„Indien ist ein beeindruckendes Land. Und wenn man Indien „hautnah“ kennen lernt, erhält man ein realistischeres Bild vorhandener Chancen und Risiken, die mit diesem Land verbunden sind“, bemerkt Jürgen Drewes, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen und er ergänzt: „Obwohl die Lohnkosten für Facharbeit, meistens mit Bachelor-Abschluss, bei etwa 200 bis 250 Euro liegen, sind die Produktkosten aufgrund von Einfuhrzöllen oder bürokratischer Kosten bei hochwertigen Produkten nicht sehr viel günstiger als in Europa“.
Die Delegationsmitglieder sind sich einig: durch die dauerhaft hohen Wachstumsraten der indischen Wirtschaft von ca. zehn Prozent in den letzten fünf Jahren wird das Land zu einem neuen, wichtigen Partner - auch für die Region Aachen. Die Anfänge sind gemacht. Der „Wirtschaftszug“ hat seine Fahrt aufgenommen. Nun müsse man die Potenziale ausschöpfen. Die IHK Aachen und die AGIT werden ihre neuen Kontakte zu den Kammern vor Ort weiter pflegen und ausbauen.
Kurz nach der Reise gab es bereits einige positive Reaktionen aus Indien, die die neue Beziehung zwischen der Region Aachen und Indien weiter vertiefen sollten. So haben sich z. B. ein indischer Unternehmer aus dem Bereich Elektro- und Solartechnik, Ravinder Nath Khanna, Vorsitzender der Control & Switchgear Group, sowie der Staatssekretär im indischen Wissenschafts- und Technologieministerium, Dr. Thirumalachari Ramasami, zu Besuchen im April und Mai in Aachen angekündigt.
Neben Oberbürgermeister Dr. Linden und RWTH Aachen-Rektor Professor Dr. Rauhut nahmen Jürgen Drewes, Hauptgeschäftsführer IHK Aachen, Sabine Keiner, Sales and Marketing Manager Avantis GOB NV, Jürgen Rodowski, Direktor der Deutschen Bank AG Aachen, Matthias Popp, Geschäftsführer Cerobear GmbH, Dr. Helmut Greif, Geschäftsführer AGIT mbH, Dr. Jochen Bräutigam, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen, Klaus Peters, Senior Consultant Neumann & Esser GmbH & Co KG, Dr. Hans Röllinger, Vorsitzender des Vorstandes der SOPTIM AG, Dr. Christian Becker, Vorstand der Stawag AG und Dr. Satish K. Batra, Präsident der HORIZON Industries GmbH, an der Reise teil. Organisiert und begleitet wurde die Delegationsreise von Mike D. Batra, Geschäftsführer der Dr.Wamser + Batra GmbH / Dr.Wamser + Batra India Pvt. Ltd.
Bisher sind laut Deutsch-Indischer Handelskammer rund 250 indische Unternehmen in der deutschen Wirtschaft tätig, davon haben sich alleine 100 in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Jeder vierte Inder in Deutschland lebt in NRW. Während Zweidrittel der Firmen dem IT-Sektor zuzurechnen sind, gehören die restlichen z. B. der Textil-, Maschinenbau-, Pharma- oder der Automobilbranche an.
Laut Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) sind die deutschen Direktinvestitionen (Nettotransfer) in Indien von 2004 bis 2006 um das 1,8- fache gestiegen auf 713 Mio. Euro. Im gleichen Zeitraum haben sich ausländische Direktinvestitionen in Indien um über 400 Prozent erhöht auf mehr als 15 000 US Dollar. Hierbei liegt Deutschland an sechster Stelle hinter Mauritius, Großbritannien, USA, Niederlande und Singapur. Das deutsch-indische Handelsvolumen hatte im Jahr 2006 erstmals die Zehn-Milliarden-Euro-Grenze überschritten.
Würselen. Die