Aachen. Das Handwerk im Raum Aachen hat seine wirtschaftliche Position im Sommerhalbjahr 2008 gefestigt. 80 Prozent der 15.800 Betriebsinhaber zwischen Euskirchen und Erkelenz beurteilen ihre Geschäftsergebnisse als befriedigend oder gut, so zeigt die Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für die Region Aachen. Ein Drittel der Befragten rechnet allerdings mit Rückgängen im kommenden Winter.
"Die guten Ergebnisse der vergangenen sechs Monate können nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Betriebe vor einer schweren Belastungsprobe stehen", meint Ralf W. Barkey, Hauptgeschäftsführer der Kammer. Im regionalen Handwerk würden die weltweit nachlassende Konjunktur und die Auswirkungen der Finanzkrise ihre Spuren hinterlassen.
Den Spitzenplatz auf dem Stimmungsbarometer nehmen weiter die Handwerksunternehmen für den gewerblichen Bedarf ein. Metallbauer, Elektromaschinenbauer, Feinwerkmechaniker und Kälteanlagenbauer, die zumeist als Zulieferer für die Industrie arbeiten, konnten im Sommer 2008 noch stattlich Gewinn aus dem Exportboom der deutschen Wirtschaft ziehen. Allerdings zeichnet sich bei ihnen ein Abflauen der Konjunktur ab.
Gut liefen die Geschäfte in den Ausbau- und Bauhandwerken, die von den Förderprogrammen zur energetischen Gebäudesanierung profitierten. Anders sieht die Konjunkturlage im Kfz-Gewerbe aus. Die Zurückhaltung der Verbraucher hat im Verkaufs- und im Werkstattbereich dicke Bremsspuren hinterlassen. Nur 60 Prozent der Betriebsinhaber in dieser Branche verzeichnen eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage.
Ungünstig verläuft die Entwicklung auch bei den personenbezogenen Dienstleistungen (Friseure, Kosmetiker, Schuhmacher, Textilreiniger, Damen- und Herrenschneider). Das Schlusslicht auf der Skala bilden die Gesundheitshandwerke (Augenoptiker, Zahntechniker und Orthopädieschuhmacher), die mit den Folgen der Gesundheitsreform zu kämpfen zu haben.
64 Prozent der 562 Handwerksunternehmen, die sich an der Herbst-Umfrage der Kammer beteiligt haben, verbuchten im Sommerhalbjahr 2008 mehr oder gleich viele Aufträge, die übrigen mussten Einbußen verkraften. Damit blieb die tatsächliche Entwicklung hinter den Erwartungen der Inhaber zurück, die sie im Frühjahr noch geäußert hatten. Bei den Umsätzen verzeichneten 66 Prozent einen Zuwachs oder ein konstantes Ergebnis. Im Durchschnitt lag die Auslastungsquote der Betriebe im Kammerbezirk Aachen bei 81 Prozent.
Die Mehrheit der befragten Meister (61 Prozent) hielt ihre Verkaufspreise stabil, obwohl sich Rohstoffe und Energie verteuert haben. Ein Viertel der Betriebsinhaber musste jedoch mehr für seine Produkte und Dienstleistungen verlangen, um die gestiegenen Kosten aufzufangen.
In den vergangenen sechs Monaten gaben 67 Prozent der Betriebe mehr oder gleich viel Geld aus, um neue Maschinen und Fahrzeuge zu kaufen. Eine höhere Bereitschaft zu Investitionen zeigten vor allem die größeren Unternehmen. Geringes Eigenkapital und teure Kredite hindern jedoch zahlreiche Unternehmen, Zukunftsprojekte wie Neu- oder Umbauten zu verwirklichen.
Die Beschäftigung im regionalen Handwerk blieb im Sommerhalbjahr 2008 stabil. 85 Prozent der Unternehmen vergrößerten ihre Belegschaften oder hielten sie konstant.
Der Bedarf an handwerklichen Fachkräften und Lehrlingen im Kammerbezirk Aachen liegt zwischen 1.000 und 1.200 Stellen. Über die Fachkräftevermittlung der QualiTec GmbH, einer Tochtergesellschaft der Handwerkskammer für die Region Aachen, suchen Betriebe derzeit 950 neue Mitarbeiter. Gefragt sind vor allem Elektroinstallateure (112), Metallbauer (98), Kfz-Mechaniker (96), Anlagenmechaniker SHK (57), Tischler (40) und CNC-Fräser/-Dreher (33).
Ihre wirtschaftlichen Perspektiven schätzen die Handwerksbetriebe in der Aachener Region verhalten ein. Nur 66 Prozent der Inhaber erwarten eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage im Frühjahr 2009, die übrigen rechnen mit schlechteren Ergebnissen.
"Mit dem beschlossenen Rettungspaket für die Banken ist es nicht getan", betont der Kammer-Hauptgeschäftsführer. Die Bundesregierung müsse auch zielgerichtete Maßnahmen ergreifen, um die Binnenkonjunktur in Deutschland nicht vollends einbrechen zu lassen. Im Einzelnen sprach sich Barkey dafür aus, Bürger und Betriebe steuerlich zu entlasten, durch Abbau der kalten Progression und Zurückführung des Solidaritätszuschlags. Außerdem solle die große Koalition den Steuerbonus auf Handwerkerleistungen ausdehnen und Energiesparprämien für Investitionen in Gebäudesanierung einführen. Damit könne eine Rezession im beschäftigungsintensiven Handwerk vermieden werden.