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Herbst-Konjunkturumfrage der Kammer Aachen zeigt: Betriebe legen nach Einbruch wirtschaftlich einen Gang zu

Aachen. Den Konjunktureinbruch in der Bundesrepublik hat das regionale Handwerk gut gemeistert. 78 Prozent der 15.600 Unternehmen zwischen Selfkant und Weilerswist bewerten ihre Geschäftsergebnisse im Sommer als befriedigend oder gut. Nach dem Frühjahrsknick haben sie wirtschaftlich einen Gang zugelegt und die herben Verluste zum Teil ausgeglichen.

"Die Konjunkturentwicklung ist besser verlaufen als erwartet", umreißt Ralf W. Barkey, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für die Region Aachen, das Kernergebnis der Herbst-Umfrage. Denn nur 45 Prozent der Betriebsinhaber hätten im Frühjahr angenommen, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten verbessern oder stabilisieren würde.

Als entscheidende Faktoren der relativ günstigen Entwicklung nennt Barkey die gute Stimmung der Verbraucher und die Anschubwirkung der Konjunkturpakete. Beides sei der Mehrzahl der regionalen Handwerksbetriebe zugute gekommen.

In den einzelnen Branchen ergibt sich indes ein unterschiedliches Bild, so zeigt die Herbst-Konjunkturumfrage. Den ersten Rang in der Eigenbilanz nehmen die Bau- und Ausbaubetriebe ein, die zu jeweils 85 Prozent mit ihrem Geschäftsverlauf im Sommerhalbjahr zufrieden sind. Sie profitieren von zusätzlichen Aufträgen der öffentlichen Hand zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Sanierung von Kindergärten, Schulen und Universitäten.

Ein freundliches Bild ihrer Geschäftslage zeichnen auch die Gesundheitshandwerke (Augenoptiker, Zahntechniker, Orthopädieschuhmacher); dort ist nach den tiefen Kapazitätseinschnitten eine Konsolidierung eingetreten. Leicht unter dem Durchschnitt bewegt sich die Einschätzung in der Kfz-Branche, im Lebensmittelhandwerk und in den Handwerken für den persönlichen Bedarf (Friseure, Kosmetiker, Textilreiniger, Uhrmacher oder Schuhmacher).

Mit Problemen kämpfen hingegen die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (Metallbauer, Elektromaschinenbauer, Feinwerkmechaniker und Kälteanlagenbauer), vor allem wenn sie als Zulieferer arbeiten. In diesen wichtigen Branchen geben nur 57 Prozent der Betriebsinhaber an, ihre Geschäfte seien im Sommerhalbjahr besser oder gleichbleibend verlaufen. Wesentliche Ursache für ihre Schwierigkeiten ist der Rückgang des Exports, der große Bereiche der Industrie in Deutschland betroffen hat.

Handwerkliche Produkte und Dienstleistungen waren den Sommer über generell wieder stärker gefragt. 61 Prozent der 408 Unternehmen, die sich an der aktuellen Konjunkturumfrage der Kammer beteiligt haben, verbuchten mehr oder gleich viele Aufträge, die übrigen mussten dagegen Einbußen verkraften.

Höhere oder konstante Umsätze konnten 57 Prozent der Betriebe einfahren, der Rest verzeichnete Rückgänge. Im Durchschnitt lag die Auslastungsquote der Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Aachen bei 79 Prozent.

Die Mehrheit der befragten Meister (62 Prozent) hielt ihre Verkaufspreise stabil, obwohl sich Rohstoffe und Energie verteuert haben. 14 Prozent der Betriebsinhaber verlangten mehr für ihre Produkte und Dienstleistungen und fingen so die gestiegenen Kosten zum Teil auf.

In den vergangenen sechs Monaten gaben 62 Prozent der Handwerksunternehmen mehr oder gleich viel Geld aus, um neue Maschinen und Fahrzeuge zu kaufen. Die übrigen warten ab und stellen Investitionsentscheidungen zurück, bis die Konjunktur auf breiter Front wieder anspringt.

Trotz der Schwierigkeiten in einigen Sektoren bewegt sich die Beschäftigungslage im regionalen Handwerk auf hohem Niveau. 83 Prozent der Befragten vergrößerten im Sommer ihre Belegschaften oder hielten sie konstant.

Der Bedarf an handwerklichen Fachkräften und Lehrlingen im Kammerbezirk Aachen liegt bei 600 Stellen. Über die Fachkräftevermittlung der QualiTec GmbH, einer Tochtergesellschaft der Kammer, suchen Betriebe vor allem Elektroinstallateure, Metallbauer, Kfz-Mechaniker, Anlagenmechaniker SHK, CNC-Fräser/-Dreher, Tischler und Dachdecker.

Die insgesamt günstige Entwicklung im Sommer darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Betriebe mit Sorge auf die nahe Zukunft sehen. Nur 66 Prozent der Inhaber erwarten im kommenden Winter eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage, das übrige Drittel rechnet mit schlechteren Ergebnissen.

"Der Aufschwung im regionalen Handwerk ist zerbrechlich; er muss unterstützt werden, um dauerhaft zu wirken", betont der Kammer-Hauptgeschäftsführer. An die neuen Regierungspartner in Berlin richtet er den Appell, nachhaltige Wachstumsimpulse zu setzen. Union und FDP müssten nach dem eindeutigen Wählervotum ihr Versprechen einlösen, Bürger und Betriebe steuerlich zu entlasten: "Nur auf diesem Weg ist es möglich, die Konsum- und Investitionsbereitschaft zu erhöhen.

"Bei der Abwrackprämie hat sich nach Worten des Kammer-Hauptgeschäftsführers gezeigt, dass kurzfristige Maßnahmen verpuffen. Der Handel mit Neuwagen sei zwar vorübergehend angekurbelt worden, aber den Kfz-Werkstätten fehlten nun Aufträge, da Hunderttausende ältere Fahrzeuge in der Schrottpresse gelandet seien. Barkey: "In der Summe heben sich beide Effekte auf und bringen die Branche nicht weiter."

Die Konjunkturumfrage mit regionalen Daten und Grafiken kann hier abgerufen werden.

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